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Wie funktionieren Hörsysteme?
Hörgeräte können Schwerhörigkeit kompensieren und das Sprachverstehen verbessern. Jedes Hörgerät besteht im Wesentlichen aus drei Bauteilen: dem Mikrofon, dem Verstärker und dem Hörer. Vom Mikrofon werden die Schallwellen aufgenommen und über den Verstärker und den Hörer (Lautsprecher) als lauteres akustisches Signal wieder abgegeben.
Nach dem heutigen Stand der Technik werden zwei Varianten der Signalverarbeitung unterschieden: Analoge Signalverarbeitung (analog = ähnlich) Hier erfolgt die Signalverarbeitung ausschließlich in Form von elektrischer Spannung. Diese Hörgeräte können entweder manuell eingestellt oder vom Hörgeräte-Akustiker am Computer programmiert werden. Jedoch sind die Möglichkeiten für eine individuelle Einstellung bei analogen Geräten sehr begrenzt. Die analoge Technologie ist eigentlich überholt und wird nur noch in Einzelfällen verwendet.
Digitale Signalverarbeitung (digital = Umwandlung in einen Zahlencode) Akustische Signale sind immer analog. Bei der digitalen Signalverarbeitung werden diese analogen Signale jedoch in eine Folge von Zahlen, eine Art Zahlencode umgewandelt. Das akustische Signal wird zu einer digitalen Information, die nun rechnerisch bearbeitet werden kann. Der Einzug der Digitaltechnik seit Ende der 90er-Jahre brachte einen großen Sprung bei der Entwicklung von Hörgeräten. Weil diese neue Art der Verarbeitung ungleich bessere Möglichkeiten bietet, das Gerät an den jeweiligen individuellen Hörverlust anzupassen, spricht man hier auch nicht mehr von einem Hörgerät, sondern von einem Hörsystem. Am Computer werden digitale Hörsysteme je nach individuellem Hörverlust programmiert. Um sie genau auf die Hörbedürfnisse ihres Trägers abzustimmen, bedarf es einer eingehenden Beratung und Feinanpassung durch den Hörgeräteakustiker. Digitale Hörsysteme können viel mehr als ihre analogen Vorgänger. Sie reagieren vollautomatisch auf die Umweltgeräusche, die ihren Träger umgeben. Und sie sorgen für bessere Sprachverständlichkeit. Die digitale Spracherkennung kann nützliche Schallwellen (Worte) von störendem Lärm unterscheiden. Außerdem wird bei den Hörsystemen das Eigenrauschen, das durch den Eingangsverstärker hervorgerufen wird, stark minimiert.
Technische Raffinessen und Zusatzfunktionen Neueste Hörsysteme verfügen über eine Reihe zusätzlicher Eigenschaften und Funktionen. Ein Wind-Manager kann dafür sorgen, dass Windgeräusche die Verständigung nicht erschweren. Rückkopplungsmanager verhindern, dass es zu ungewünschten Rückkopplungen (Feedbacks) zwischen den vom Gerät abgestrahlten Audiosignalen und dem Mikrofon kommt. Und die so genannte Direktionalität richtet das Mikrofon bzw. die Mikrofone gezielt so aus, dass die Sprache aus störenden Hintergrundgeräuschen herausgefiltert wird. Verschiedene Zusatzfunktionen gibt es für die Nutzung von Festnetztelefonen, Handys und weiterer Kommunikationstechnik; seit neuestem z.B. auch ein Telefon-Headset, das man einfach auf das Hörsystem aufsteckt. Bei einigen Systemen kann man sogar auf das Wechseln der kleinen Batterien verzichten. Diese Systeme werden mit Akku betrieben und über Nacht in eine Ladestation geschoben, sodass sie am kommenden Tag wieder voll einsatzfähig sind.
Arten von Hörsystemen Hinter-dem-Ohr (HdO) Etwa zwei Drittel der Hörgeschädigten tragen HdO-Geräte bzw. -Systeme. Bei ihnen sitzt die Technik hinter dem Ohr. Der vom Mikrofon aufgenommene Schall wird nach seiner Verstärkung über einen Winkel (Ohrhaken) und durch das Ohrpassstück in den Gehörgang geleitet. HdO-Systeme sind robust, einfach zu handhaben und es gibt sie in unterschiedlichsten Farben. Seit einigen Jahren werden immer mehr HdO-Hörsysteme angepasst, bei denen das Ohr nicht mehr vollständig mit einem Ohrpassstück verschlossen wird. Nur ein schmaler Schallschlauch führt in das Ohr. Bei dieser sogenannten ‘offenen Versorgung’ ist der Klangeindruck viel natürlicher. Darüber hinaus werden hier immer öfter externe Hörer verwendet. Sie sitzen direkt im Ohrkanal und sorgen für besseres Klangempfinden.
In-dem-Ohr (IdO) Bei den IdO-Hörgeräten bzw. -Systemen sitzt die gesamte Technik in einem kleinen Gehäuse, das in den Gehörgang geschoben wird. Die Gehäuseschale muss individuell hergestellt werden. Der Hörgeräteakustiker fertigt einen Ohrabdruck, der als Vorlage für die Schalenherstellung dient. Auch die Anfertigung der Gehäuseschalen erfolgt mittlerweile digital. Da IdO-Geräte sehr klein sind, fallen sie beim Tragen weniger auf. Sie bieten aber auch weniger Platz für technische Bauteile und haben dadurch nicht die akustische Leistung vieler HdO-Geräte. IdO-Geräte werden insbesondere bei leicht- und mittelgradigen Hörverlusten eingesetzt.
Hörbrillen Sie sind eine Kombination aus Brille und Hörgerät und bieten eine elegante Lösung, die jedoch nur selten Verwendung findet. Im Prinzip wird ein HdO-Gerät an den Brillenbügel montiert und sitzt so ebenfalls hinter der Ohrmuschel. Auch bei den Hörbrillen ist die digitale Signalverarbeitung mittlerweile Standard.
2008 - Martin Schaarschmidt
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