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Die komplexen Filtermechanismen des natürlichen Hörsystems kann nach dem
derzeitigen Wissensstand selbst die modernste Technik nicht ersetzen. Die
wesentliche Voraussetzung für das Hören im Störlärm ist das binaurale Hören, das
eine Orientierung im Raum ermöglicht und für die Störgeräuschunterdrückung
entscheidend ist. Durch intensive Lernprozesse und bewusste Übungen lassen sich
eine Vielzahl von Funktionen der Hörverarbeitung verbessern, um die noch
vorhandenen Fähigkeiten der Hörbahn durch elektronische Hilfen zu optimieren.
Hören im Störlärm
Das alltägliche „normale“ Hören ist äußerst selten unbeeinflusst von Störeinflüssen. Großstadt- und Verkehrslärm, Stimmengewirr und Musikberieselung in Kaufhäusern und öffentlichen Gebäuden, Kinderstimmen in Schulen sowie Badeanstalten, durcheinander sprechende Menschen auf Sitzungen oder in Gesprächsrunden: Allerorten wird das Hören beeinträchtigt durch Störschall. Störgeräusche sind akustische Wahrnehmungen, die dem normalen Verstehen hinderlich sind und damit dem „Empfang“ der eigentlich zu hörenden Information („Nutzschall“) entgegenstehen. Damit ist das Hören im Störlärm der „normale akustische Alltag“. Diese Situationen stellen selbst für Normalhörende häufig eine große Herausforderung dar und kosten viel Kraft, Konzentration und Anstrengung. Selbst Menschen, die nicht unter Hörstörungen leiden, reagieren auf derartige akustische Belastung oft nervös und überreizt, insbesondere dann, wenn diese Lärmemissionen längere Zeit anhalten oder am Ende eines harten Arbeitstages „an die Substanz gehen“. Erschwert ist die Nutzschall-Störschall-Differenzierung bei Hörstörungen, Schwerhörigkeiten oder Taubheiten und wird häufig von Betroffenen, die auf apparative Hilfen wie Hörgeräte oder CIs angewiesen sind, beklagt. Schließlich ist das Hören im Störschall eine überaus komplexe und sehr differenzierte Aufgabe des gesamten Hörsystems. Personen, die in normalen Gesprächen noch keine Schwierigkeiten mit dem Hören und dem Verstehen haben, können in diesen Störsituationen beeinträchtigt sein, wenn sie z.B. eine Innenohr-Hochtonschwerhörigkeit haben. Man spricht dann von der so genannten „Party-Schwerhörigkeit“, was verdeutlichen soll, dass in bestimmten Situationen (Feierlichkeiten u.ä.) die Geräuschkulisse (Sprachgewirr und Musik) das Verstehen von Sprache erschwert oder unmöglich macht. Schwerhörige meiden zunehmend solche Situationen, was letztlich zu einer sozialen Isolation führen kann.
Dr. med. G. Hesse Ärztlicher Leiter der Tinnitus-Klinik Arolsen Große Allee 3 34454 Arolsen Prof. Dr. med. A. Laubert Direktor der HNO-Klinik Kath. Krankenhaus Hagen, Universität Witten/Herdecke Bergstr. 56 58095 Hagen
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