Die Bedeutung des Hörnerven
für das Hören mit einem Cochlea Implantat

Für das Erreichen eines guten Sprachverständnisses mit einem Cochlea Implantat ist der Zustand des Hörnervs von Bedeutung. Hierbei spielt die Anzahl von Nervenzellen im Hörnerv eine Rolle. Diese hängt von vielen verschiedenen Faktoren wie Lebensalter, Ertaubungsursache und Ertaubungsdauer ab. In Tiermodellen hat sich gezeigt, dass der Erfolg einer Versorgung mit einem Cochlea Implantat von der Anzahl der Nervenzellen abhängt. Beim Menschen sind solche Untersuchungen erschwert, da man am Patienten die Anzahl der Nervenzellen nicht bestimmen kann. Felsenbeinuntersuchungen weisen darauf hin, dass die Anzahl der Nervenzellen im Hörnerv zwar wichtig, aber nicht allein entscheidend für einen Implantationserfolg ist. Aktuelle Forschungsziele sind darauf ausgerichtet, Stoffe zu identifizieren, die das Überleben möglichst vieler Nervenzellen auch nach einer Ertaubung erlauben.

Die Bedeutung des Hörnerven und des Spiralganglions für das Hören

Um die Sinnesinformation des Innenohres an das Gehirn weiterleiten zu können, werden die in der Cochlea liegenden Haarsinneszellen von Nervenfasern des Hörnervsn innerviert. Jede Haarsinneszelle wird dabei von mehreren Hörnervenfasern kontaktiert. Die zu den Nervenfasern gehörenden Zellkörper liegen in einem spiralförmigen Nervenknoten, dem Spiralganglion in der Mitte der Cochlea (Abb. 1). Etwa 95 % der Nervenfasern leiten hierbei Signale der inneren Haarsinneszellen an das Gehirn weiter. Nur 5 % der Nervenfasern kontaktieren äußere Haarsinneszellen. Die inneren Haarsinneszellen sind daher für die ganz überwiegende Weiterleitung von Sinnesinformation an das Gehirn zuständig. Den äußeren Haarsinneszellen kommt eine modulierende und verstärkende Funktion zu, die man als „Feinabstimmung“ bezeichnen kann.

Ein junger, gesunder und normal hörender Erwachsener hat ungefähr 35.000 Nervenzellen im Spiralganglion der Cochlea. Die Anzahl dieser Nervenzellen nimmt im Laufe des Lebens kontinuierlich ab, so dass sich im Alter von 80 Jahren die Anzahl der Nervenzellen bei gesunden Erwachsenen auf ungefähr 18.000 Nervenzellen reduziert hat. Für ein normales Sprachverständnis werden mindestens 10.000 Nervenzellen benötigt. Bei hochgradiger Schwerhörigkeit liegt die Anzahl der Nervenzellen bei 55 % der Betroffenen bereits unter der Zahl von 10.000 (Schuknecht 1993).

 

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Dr. med. Anke Tropitzsch

Universitäts-Hals-Nasen-Ohren-Klinik

Elfriede-Aulhorn-Straße 5

72076 Tübingen

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