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Psychische Probleme bei
Cochlea Implantat-Trägern
Einführung
Dieser Artikel hat das Ziel, auftretende
psychische Probleme bei erwachsenen CI-Trägern zu beschreiben. Es soll nicht der
Eindruck entstehen, dass alle Menschen mit Cochlea-Implantaten psychische
Probleme hätten. Im Gegenteil! Das CI ist für viele CI-Träger ein wieder
gewonnenes Stück Leben in sozialen Gemeinschaften und in kommunikativen
Beziehungen mit andern Menschen. Und die Entwicklung der CI-Technik ist bei
weitem nicht abgeschlossen. Die Entwicklung der beidseitigen CI-Versorgung ist
noch am Anfang. Doch schon über das bisher erreichte kann die für viele Menschen
dramatische Ertaubung (siehe Wirth 2003) bzw. an Taubheit grenzende
Schwerhörigkeit umgekehrt werden, und ein zum Teil weitgehend integriertes Leben
in der lautsprachlichen Gemeinschaft wird wieder möglich. Für viele Betroffene
grenzt es an ein persönliches Wunder, an eine Befreiung aus einem eingesperrt
sein in kommunikativer Isolation. Doch auch mit einem CI bleibt noch eine
Hörbehinderung zurück. Sie ist “ein gern gemiedenes Thema” (H. Hermann und W.
Grascha 2003). Die Probleme einer Hörbehinderung mit einem CI sind am ehesten
vergleichbar mit den Schwierigkeiten einer Schwerhörigkeit. Diese Probleme
begleiten auch einige CI-Träger, wie z.B. unzureichendes Verständnis der
Umgebung, Schwierigkeiten in komplexen akustischen Situation wie
Gruppengesprächen mit Hintergrundlärm, eine z. T. nur schwer zu akzeptierende
höhere Ermüdbarkeit aufgrund der erhöhten konzentrativen Anstrengungen. Eine
Hörbehinderung ist eine unsichtbare Behinderung die sehr gut kaschiert werden
kann und in der Regel auch gut versteckt wird. Durch ein CI kann vor anderen
Menschen und auch vor sich selbst dieses Behinderungsthema ein Stück weit in den
Hintergrund geschoben werden. Die Scham und Peinlichkeit behindert zu sein wird
damit umgangen. Es reißen dadurch jedoch andere Probleme auf.
Die Anfangsphase
Die Entscheidung für ein CI erfolgt bei vielen
erwachsenen CI-Trägern aus einer echten psychischen, sozialen Notlage heraus. Da
das Hörvermögen so schlecht (geworden) ist, dass eine gelingende lautsprachliche
Kommunikation sehr schwierig oder unmöglich ist, bedeutet dieser Schritt oft die
letzte Hoffnung, aus einer verzweifelten Lage herauszukommen. Für viele
CI-Träger stellt ein CI primär eine wesentliche und deutliche Verbesserung des
Hörens, sowie der kommunikativen und der sozialen und psychischen Situation dar.
Die CI-Operation, der Heilungsprozess und danach die erste Anpassung des
Prozessor und der Sprachverarbeitungsprogramme sind Schritte bei denen
verschiedene Gedanken aufkommen. Meist ist die Grundstimmung jedoch positiv,
optimistisch bis enthusiastisch. Es werden Hoffnungen aufgebaut, die oftmals von
den Fachleuten gebremst oder gedämpft werden, und manchmal nur ganz geheim,
sozusagen im innersten Kämmerchen weiterleben dürfen. Das ist ja ganz schön
blechern, aber Hauptsache ich verstehe was, ist eine häufig gemachte erste
Erfahrung. Wenn nach der Anpassung die ersten Hörerfahrungen gemacht werden,
kommen häufig gemischte Gefühle auf.
(...)
Wolfgang Wirth
Diplompsychologe
Psychologischer
Psychotherapeut
Leitender Psychologe
Sebastian-Kneipp-Allee 4/7
87730 Bad Grönenbach
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