Zusammenfassung

Ein behindertes Kind zu haben, bedeutet für betroffene Eltern eine ungewöhnliche Herausforderung. Da sie meist unerwartet kommt, die Eltern darauf nicht vorbereitet sind, bedürfen die Betroffenen der Unterstützung, Hilfe sowie menschlicher Zuwendung und Mitgefühls ihres unmittelbaren sozialen Umfeldes. Ebenso wichtig ist ein psychologisches Beratungsangebot zum Auffinden individueller Bewältigungsstrategien und die einfühlsame Begleitung durch Fachleute. Vor allem gilt es, den Eltern Mut zu machen und in ihnen die Zuversicht zu wecken, dass es vielfältige Alternativen gibt, die individuellen Entwicklungsmöglichkeiten eines jeden Kindes voll zu fördern.

 

Die Beziehung von Eltern und hörgeschädigten Kindern

 

Einleitung

Die Behinderung eines Kindes trifft Eltern meist völlig unerwartet. Plötzlich finden sie sich in einer Lebenskrise wieder, die alle erträumten Lebensentwürfe in Frage stellt und ihre Umsetzung in manchen Fällen unmöglich macht.

Von nun an ist die Lebenssituation nicht mehr so, wie sie einst war. Und das Bild, das sich Eltern am Anfang ihrer Elternschaft von ihrem Kind ausmalten oder über lange Zeit in sich trugen, stimmt nun nicht mehr. Was die zukünftige Entwicklung bringt, bleibt im Moment der Gewissheit über die Behinderung offen. Betroffene Familien stellen sich einer solchen Lebenskrise in sehr unterschiedlicher Art und Weise.

Für einige bedeutet sie, trotz der unabänderlichen Realität, Herausforderung, sich nicht unterkriegen zu lassen, zusammen zu rücken, einander beizustehen und gemeinsam nach neuen Lebenswegen zu suchen. Aber die Gefahr liegt nahe, zu Märtyrer-Eltern zu werden, die persönlichen Belange zugunsten des Kindes weitgehend zurückzustellen. Die anfängliche Hilflosigkeit, die Sorgen um das Kind, der Ärger mit Behörden sowie der Kleinkrieg um alltägliche Selbstverständlichkeiten sind dazu angetan, manche Eltern in diese Rolle zu drängen.

Andere wiederum laufen Gefahr, an dieser unerwarteten Lebensaufgabe zu zerbrechen. Angst vor Überforderung, der Situation nicht gewachsen zu sein oder gegenseitige Schuldzuweisungen lassen manchmal keinen Raum für ein zukünftiges Miteinander.

Wie auch immer die Auflösung der Krise für die Betroffenen aussehen mag, alle sind sie umgetrieben von der Ungewissheit bezüglich der Zukunft ihres Kindes.

 

Diagnose und Konsequenzen

Oft bleibt mit der Bekanntgabe der Diagnose ein Gefühl der dauernden Verletzung zurück, weil sie manchmal so unsensibel, so unpersönlich, so grob erfolgte. Vielleicht aber auch deswegen, weil etwas wahr wurde, was die Eltern nicht wahr haben wollten und was sie durch Beschwichtigung des eigenen Verdachts lange zu verdrängen suchten.

 

(...)

 

Dr. Bodo Bertram

CIC Wilhelm Hirte

Gehägestr. 28-30

30655 Hannover

 

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