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Nachteilsausgleich bei Prüfungen Nachteilsausgleich – warum eigentlich? Bei jeder Prüfung werden die Leistungen der Teilnehmer miteinander verglichen. Damit das Ergebnis dieses Vergleichs einigermaßen gerecht ausfällt, ist es notwendig, dass die Teilnehmer mit den gleichen Voraussetzungen ins Rennen gehen. Die Absurdität eines Ausleseverfahrens, das diesen Grundsatz ignoriert, bringt die Karikatur von Hans Traxler auf den Punkt. In seiner Tierschule werden die verschiedenen Vertreter von Tiergattungen an einer für alle gleich lautenden Aufgabe gemessen: sie sollen auf einen Baum klettern. Die offensichtliche Benachteiligung eines Hündchens oder gar des Goldfischs in der Wasserschale muss man nicht weiter erklaeren: Aber auch bei Prüfungen in Schule und Studium muss darauf geachtet werden, dass kein Teilnehmer gegenüber anderen benachteiligt wird. Es lohnt sich genauer hinzusehen, denn die Verletzung der Chancengleichheit ist hier weniger augenfällig. Hörgeschädigte zum Beispiel können bei manchen Prüfungen benachteiligt sein. Wenn die Prüfung, etwa in einem mündlich geführten Gespräch, vielleicht sogar mit mehreren Teilnehmern, durchgeführt wird, kann dies eine Benachteiligung darstellen. Aber auch bei schriftlichen Prüfungen kann sich für eine Person mit Hörschädigung eine Benachteiligung ergeben. Letzteres mag auf den ersten Blick paradox klingen, weil in einer schriftlichen Prüfungssituation das verstehende Ohr ja gar nicht benötigt wird, sondern nur das lesende Auge. Dazu muss man aber wissen, dass beides – das Verständnis über das Ohr und das Lesen – eng miteinander verbunden ist. Dazu ein Vergleich aus der Welt der Computer. Vielleicht kennen Sie so genannte „Spracherkennungssoftware“, mit der man ins PC-Mikrofon diktiert, anstatt Text über die Tastatur einzutippen. Diese Software "lernt" die Aussprache des Bedieners und seinen Wortschatz, während er mit ihr arbeitet. Nach einer Trainingsphase kann die Software erkennen, was der Sprecher eingibt und sie ergänzt dieses „Wissen“ laufend. Wenn allerdings die Aufnahmequalität nicht optimal ist, wird es auch das beste Programm nicht schaffen, die diktierten Wörter in annehmbarer Zeit richtig am Bildschirm darzustellen.
Walter Kern Dachstraße 19 81243 München
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