Die visuelle und auditive Wahrnehmung ist von anderen Prozessen abhängig, die nicht zum Wahrnehmungsprozess selbst gerechnet werden:

Vigilanz (Wachheit), selektive Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Emotionen und Motivation sind Funktionen und Zustände, die die Wahrnehmung ermöglichen und modifizieren; gleichzeitig aber auch von den Wahrnehmungsprozessen im engeren Sinne beeinflusst werden. Diese Prozesse sind Grundlage jeglichen Lernens.

Prozesse, die kognitiv von einer höheren Ebene auf Wahrnehmungs- und Verarbeitungsprozesse einwirken oder parallel dazu wirken, nennt man top-down-Prozesse.

Visuelle und auditive Wahrnehmung

Die Schaltzentralen des Cortex (Hirnrinde), wo die bewusste Wahrnehmung stattfindet, werden von der formatio reticularis (Konzentrationsstruktur) (Abb.1) und dem Limbischen System (Gedächtnis) gesteuert.

Die formatio reticularis regelt den Schlaf- Wachrhythmus und vergibt die Konzentration für die Sinnesorgane. Wir können nur einem Sinnesorgan zu einem Zeitpunkt eine Aufmerksamkeit vergeben. Die formatio reticularis lässt nur jeweils einer einzigen Aufgabe die volle Aufmerksamkeit zuteil werden.

Sie hat nur ein bestimmtes Fassungsvermögen wie eine Batterie oder ein Akku. Verbrauchen wir am Tag zu viel, ist am Abend keine Konzentrationsfähigkeit mehr vorhanden; wir sind leer. Ein Mittagsschlaf zur Halbierung des Tages wird empfohlen.

Das Limbische System (Abb. 2) steuert unter anderem das angeborene und erworbene Verhalten. Es ist Ursprungsort von Trieben, Motivation und Emotionen (Angst, Wut, Glück, Freude, Unmut, u.v.m.). Es beinhaltet unsere gesamte Lernerfahrung und bewertet Ereignisse subjektiv gemäß unserer Vorerfahrung (s. Abb. 3: „junge / alte Frau“).

Beide Strukturen (formatio reticularis und Limbisches System) sind eng miteinander verknüpft.

Das Limbische System bewertet und die formatio reticularis sorgt für die Konzentration.

Normalerweise herrscht innerhalb der zentralen Nervennetze ein gut ausbalanciertes Wechselspiel zwischen Erregung und Hemmung. Um die Signalerkennung und -verarbeitung zu optimieren, wird vom Zentralnervensystem ein labiles Gleichgewicht zwischen Erregung und  Hemmung aufrechterhalten.

Eine weitere prinzipielle Eigenschaft der zentralen Nervennetze in der Hörbahn und in anderen Sinneskanälen ist die laterale Hemmung: Nervenzellen leiten Erregungen vorwärts und haben zu den Seiten hin hemmende Wirkung.

Wir sehen mit den Augen immer nur eine Stelle scharf (Brennpunkt).

 

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Reinhold Bagus

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