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„Geschwisterbindungen reichen in die ersten vorsprachlichen
Tage der Kindheit zurück und bestehen oft bis ins hohe Alter. Sie sind die
dauerhaftesten aller Bindungen. Eltern sterben, Freunde verschwinden, Ehen lösen
sich auf. Aber Geschwister können sich nicht scheiden lassen. Und selbst, wenn
sie zwanzig Jahre nicht mehr miteinander sprechen, bilden Blutsverwandtschaft
und gemeinsame Geschichte ein unauflösliches Band.“ (Francine Klagsbrun)
Zur Situation
von Geschwistern behinderter Kinder
In Westeuropa wachsen laut I.
Achilles (2001) ca. 80 % aller Kinder mit Geschwistern auf. Sie verbringen
miteinander mehr Zeit als mit ihren Eltern. Da sie derselben Generation
entstammen, tauschen sie sich untereinander direkter und freier aus. Sie kämpfen
um die Gunst der Eltern, durchschauen aber gegenseitig Tricks und Strategien,
die Bruder oder Schwester dabei anwenden. Auch wenn sie sich streiten –
sie trösten einander, geben Sicherheit und schmieden Bündnisse gegen die Eltern.
Das Verhältnis von Geschwistern
untereinander bestimmen Geschwisterfolge, Altersabstand sowie Geschlecht.
In ihren Beziehungen gibt es drei Bereiche, an denen sie sich reiben:
- die Rivalität um elterliche
Zuwendung,
- das Streben nach Anerkennung
durch den Bruder oder durch die Schwester sowie
- das Erobern und Erhalten
erworbener Machtpositionen in der Geschwisterabfolge.
So wird das nächstgeborene
Geschwister mit Argwohn beäugt, da zukünftig Aufmerksamkeit und Zuwendung, Liebe
und Gunst der Eltern geteilt werden müssen. Aber auch Liebe und Zuneigung werden
für den neuen Erdenbürger empfunden.
(...)
Dr. Bodo Bertram
CIC Hannover “Wilhelm Hirte”
Gehägestr. 28-30
30655 Hannover
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