Sprachliche Leistungen hörgestörter Kinder sind nicht nur vom Hörstörungsgrad abhängig. Sie lassen sich umso besser fördern, je früher eine Hörstörung erkannt wird. Sprachliche Leistungen können schon im frühen Kindesalter erfasst werden. Dies ist besonders dann notwendig, wenn man Therapiekonzepte vergleichen möchte. Vor allem bei Patienten mit gravierenden Hörstörungen benötigt man dafür gelegentlich ein sehr kleinschrittiges Raster, um auch minimale Therapiefortschritte zu dokumentieren. Dennoch sollten diese sprachlichen Leistungen grundsätzlich mit denen normal hörender Kinder vergleichbar sein. An die Überprüfung der sprachlichen Leistungen schließt sich die Forderung an, dass in Deutschland die mit Hörgeräten versorgten Kinder in der gleichen intensiven Weise gefördert werden wie jene mit Cochlea Implantaten.

Hörgestörte Kinder – Diagnostik und Erfassung sprachlicher Leistungen

M. Gross, M. Spormann-Lagodzinski, B. Wohlleben

Die Erfassung sprachlicher Leistungen ist bei Kindern mit Hörstörungen Bestandteil einer notwendigen komplexen Befunderhebung.

Neben einer ausführlichen Anamnese erfordert eine fundierte Diagnostik, soweit möglich, eine Abklärung der Ursachen, eine Stammbaumerhebung besonders dann, wenn Hinweise bestehen, dass in der Familie bereits Hörstörungen vorliegen. Nach Spiegeluntersuchung der Hör- und Artikulationsorgane sowie umfassenden audiometrischen Untersuchungen einschließlich einer Hirnstammaudiometrie (Ableitung früher akustisch evozierter Potenziale/BERA) ist eine Einschätzung der nichtsprachlichen und sprachlichen Entwicklung mit informellen und standardisierten Untersuchungsverfahren erforderlich. Die Analyse der Eltern-Kind-Interaktion stellt in Bezug auf das Kommunikationsverhalten eine hilfreiche Ergänzung dar. Wenn diese Daten vorliegen, folgt daraus eine zusammenfassende Diagnose mit Hinweisen zu Ursache, Prognose und Therapie sowie einer Entscheidung über die Fördermaßnahmen.

Von der Vielzahl der Faktoren, welche die sprachliche Leistung hörgestörter Kinder beeinflussen, sind als Wichtigste zu nennen:

  • Beginn und Grad der Hörstörung
  • Zeitpunkt der Hörgeräte- oder CI-Versorgung
  • Verlauf (progredient, fluktuierend, mit koinzidierender Schallleitungsstörung)
  • Förderkonzept
  • Beginn und Intensität (Frequenz) der Therapie
  • familiärer sprachlicher Hintergrund
  • kognitive Entwicklung und zusätzliche Entwicklungsstörungen

Ein wesentlicher Aspekt ist der Verlauf der Hörstörung. Wenn Kinder schon eine periphere Hörstörung haben, potenziert sich diese in ihren Auswirkungen durch zusätzliche Schallleitungsstörungen.

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 Prof. Dr. M. Gross, M. Spormann-Lagodzinski, B. Wohlleben

Freie Universität Berlin

Universitätsklinikum Benjamin Franklin

Klinik und Poliklinik für Audiologie und Phoniatrie

Fabeckstr. 62

14195 Berlin

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