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Viele Grüße von Mama und Papa – Blickkontakt und Grußreaktion im frühen Dialog zwischen Eltern und Säugling Blicke können die unterschiedlichsten Gefühlslagen transportieren: Begeisterung, Liebe, Wut oder Trauer. Insgesamt wird Blicken eine immense Kraft zugesagt, sei es von Vertretern der Wissenschaft – Petzold gibt einem Fachbuch gar den aussagestarken Titel „Die Kraft liebevoller Blicke“– oder vom Volksmund, der einem Blick z.B. eine größere Aussagekraft als tausend Worten attestiert. Betrachtet man das Substantiv „Blick“ etymologisch, so trifft man auf die Bedeutung des mittelhochdeutschen Wortes „blic“: „Aufleuchten, Glanz, Blick der Augen“ (Duden 2001, 101). Die heutige Bedeutung „sehen, schauen“ hat sich laut Duden demnach aus „leuchten, [an]strahlen“ (a.a.O., 101) entwickelt. Hier wird ein Brückenschlag zur Eltern-Kind-Interaktion möglich. Ganz im ursprünglichen Wortsinne „strahlen“ Eltern ihren Säugling an. Ihr liebevoller Blick „leuchtet“ dem Neugeborenen entgegen und stellt die erste Verständigungs- und Beziehungsebene dar. Blickkontakt wird somit zum entscheidenden Ereignis in den ersten Lebenstagen (vgl. Horsch 1997). Dieser vom Kind faszinierte, elterliche „Blick der Augen“ erfährt ein ganz besonderes Aufleuchten, sobald der Säugling ebenfalls Blickkontakt sucht bzw. diesen erwidert. Um die sechste Lebenswoche erhält der Blickkontakt zwischen Mutter und Säugling diesen entscheidenden Impuls: Das Kleinkind ist jetzt fähig, die Augen seiner Mutter visuell zu fixieren und diese Fixierung beizubehalten, wobei die Augen weit offen stehen und aufleuchten. Die Mutter gewinnt zum ersten Mal den Eindruck, dass das Kind sie als Person anschaut, was eine dramatische Wirkung hat (vgl. Stern 20004, 50ff.). Dieser Entwicklungsschritt des Kindes bedeutet einen Meilenstein in der Beziehungsentwicklung. Das Kind wird zum Dialogpartner, der Blicke nicht nur empfängt, sondern auch aussendet. Gegen Ende des dritten Lebensmonats hat sich das Kommunikationsnetz des Kindes beachtlich erweitert. Sein visuell-motorisches System ist jetzt so ausgereift, dass der Säugling weit über die „20-cm-Blase’“ (Stern 20004, 50ff.) hinweg blicken kann. Der Säugling ist jetzt in der Lage, seine Blickrichtung zu kontrollieren, er kann selbstständig entscheiden, was er sehen will. Was die Modalität des Blickens betrifft, ist er der Mutter bereits ein erstaunlich ebenbürtiger Interaktionspartner. Dies macht das dialogische Blickverhalten gerade auch für die Forschung so interessant. In ihrer Eigenschaft als „kompetente Säuglinge“ sind Babys keineswegs an allen Aspekten der Umwelt gleichermaßen interessiert. Vom ersten Tag an präferieren sie einige Informationen über andere. Ihre Aufmerksamkeit ist selektiv, und zwar für entwicklungsthematische Informationen. Das menschliche Gesicht mit seinen symmetrischen Anteilen und seiner hohen Konturdichte vermag die visuelle Aufmerksamkeit von Säuglingen besonders stark zu fesseln (vgl. Keller 2000).
(...) Prof. Dr. Ursula Horsch Pädagogik der Gehörlosen- und Schwerhörigen, Frühpädagogik Julia Roth, Esther Valentin Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen: Forschungsprojekt: Dialogische Entwicklung bei Säuglingen Pädagogische Hochschule Heidelberg, Fak. 1 Zeppelinstr. 3 69121 Heidelberg
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