Untersuchungen zur Gleichgewichtsregulation
bei Patienten mit CI

Bedeutung der Hörfähigkeit für die Gleichgewichtsregulation

Bei allen motorischen Handlungen und Aktivitäten des Menschen spielt das Gleichgewicht eine entscheidende Rolle. Es begleitet uns über die gesamte Lebensspanne hinweg und beeinflusst die Lebensqualität maßgeblich. Somit werden in Abhängigkeit von Alter und allgemeinem Leistungsniveau nicht nur bei sportlichen Handlungen, sondern auch bei der Bewältigung von Alltagssituationen und im Arbeitsprozess Anforderungen an die Gleichgewichtskompetenz gestellt.

Die Komplexität der Gleichgewichtsorganisation macht eine korrespondierende Informationsaufnahme und -verarbeitung unter Beteiligung aller Analysatorenbereiche erforderlich. Insbesondere vestibuläre, kinästhetische, taktile und visuelle Afferenzen spielen dabei eine wichtige Rolle. Jedoch werden auditive Informationen besonders bei eingeschränkter Raumlagewahrnehmung unabdingbar. Sie haben also einen indirekten Einfluss auf die Gleichgewichtsregulation (Hirtz, Hotz & Ludwig, 2000).

In der motorischen Ontogenese des Menschen kann deshalb jede Störung im Bereich der sensorischen Funktionssysteme in hohem Maße zu einer veränderten Bewegungsentwicklung führen. „Jede Behinderung im frühen Kindesalter kann das Erlernen grundlegender Bewegungsmuster mehr oder weniger verzögern, verändern oder verhindern“ (Schilling, 1974, 6).

Seit vielen Jahren werden zahlreiche Untersuchungen zur Gleichgewichtsregulation bei Kindern mit Hörschädigung durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Studien belegen Defizite bei dynamisch und statisch akzentuierten Gleichgewichtsaufgaben bei hörgeschädigten Kindern (Althoff & Eggert, 1980; Beger, 1983; Schnuch, 1987; Kotonski-Immig, 1994). Der Leistungsrückstand wird vielfach mit der Einschränkung bzw. dem Ausfall der Funktionstüchtigkeit des Gehörs und der damit verbundenen Einbuße der für das motorische Lernen so wichtigen akustischen Information erklärt. Diese fehlenden Informationen müssen dann möglichst durch andere Analysatoren kompensiert werden.

Darüber hinaus wird durch eine Hörschädigung das synchrone Wirken der Sinnesorgane, die sich in ihrer Funktion einander ergänzen, gestört. Dadurch können ebenfalls Probleme im komplexen System der Handlungsregulation entstehen.

(...)

 Dr. René Schwesig1;
Uwe Schwender
1;
Priv.-Doz. Dr. Marc Bloching2;
Prof. Dr. Kuno Hottenrott1

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

1 Institut für Sportwissenschaft

2 Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie der Medizinischen Fakultät

Selkestraße 9

06122 Halle/Saale

 

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