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Präventive Integration –
Vor nunmehr über dreißig Jahren (1973) hat der Deutsche Bildungsrat mit seiner Empfehlung zur pädagogischen Förderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder und Jugendlicher die Diskussion über die gemeinsame Förderung von behinderten und nicht behinderten Kindern über Fachkreise hinaus in den Bereich der Öffentlichkeit gerückt. Hierbei wurde ein differenziertes System von Fördereinrichtungen gefordert, das von der gemeinsamen Unterrichtung aller Kinder, auch der behinderten, bis zur getrennten Unterrichtung behinderter Kinder in Sonderschulen mit entsprechenden Zwischenstufen reichte. Seit dieser Veröffentlichung des Deutschen Bildungsrates haben sich verschiedene Modelle zur Integration für den schulischen Bereich entwickelt. Die meisten integrativen Modelle gehen davon aus, dass hörgeschädigte Kinder zusammen mit hörenden Kindern die Regelschule besuchen und in unterschiedlicher Weise durch Fachleute aus dem Bereich der Hörgeschädigtenpädagogik zusätzliche Betreuung erfahren. Mit dieser Form der Integration, der integrierten Fördererziehung an Regelschulen, wurde in unserer Einrichtung bereits 1972 mit drei Schülern begonnen. Im laufenden Schuljahr 2004/05 werden über 200 hörgeschädigte Schüler in allgemeinen Schulen durch Mitarbeiter des Pfalzinstituts für Hörsprachbehinderte (PIH) Frankenthal im Einzugsbereich Rheinhessen-Pfalz betreut. In dem o.a. Gutachten des Deutschen Bildungsrates wurde jedoch auch betont: „Wo spezielle Einrichtungen für behinderte Kinder im Vorschulraum geschaffen werden, muss auch nicht behinderten Kindern der Zugang zu diesen Einrichtungen möglich sein, damit es zu Kontakten zwischen behinderten und nichtbehinderten Kindern kommt.“
1. Die Konzeption der präventiven Integration Diesem Gedanken trägt das von Breiner (1982) erstmals beschriebene und 1989 ausführlich dargestellte Modell der präventiven Integration Rechnung. Es ist meines Wissens bundesweit für den Schulbereich erstmals am Pfalzinstitut Frankenthal nach einem mehrjährig durchgeführten Schulversuch mit wissenschaftlicher Begleitung (durch A. Hüther) als Regelform einer Integration mit Beginn des Schuljahres 1997/98 durch die zuständige Schulbehörde anerkannt und genehmigt. Präventive Integration ist eine von mehreren Möglichkeiten der integrativen Beschulung. Sie bedeutet in der Praxis, dass guthörende Kinder zusammen mit hörgeschädigten Kindern in die Sondereinrichtung aufgenommen werden, wobei in der Regel ein Verhältnis von sechs zu sechs angestrebt wird. Grundgedanke der präventiven Integration ist es, Begegnungen von hörenden und hörgeschädigten Kindern so zu gestalten, dass Misserfolge und Fehlentwicklungen von vornherein verhindert bzw. reduziert werden. Entscheidend ist hierbei, dass „...das gesamte Fördergeschehen zwar in Orientierung an Normen unserer Gesellschaft (im schulischen Bereich auch an allgemein gültigen Bildungsplänen) erfolgt, jedoch gleichzeitig auch die Bedingungen des Geschehens auf den Behinderten als den Schwächsten ausgerichtet...“ bleibt. Mit anderen Worten: Die fachlichen Vorteile der Sondereinrichtung und die auf die individuellen Bedürfnisse des hörbehinderten Kindes ausgerichtete Förderung durch Fachpersonal bleiben bestehen. Präventive Integration hat folgende Grundannahmen bzw. -voraussetzungen: 1. das Hereinholen Nichtbehinderter in die Förderschule für Hörgeschädigte, 2. das Wirksamwerden eines Entwicklungsprozesses, 3. die Orientierung am behinderten Kind („Heimspiel“ für hörgeschädigte Kinder), 4. die Ausnutzung der Wirksamkeit der Gruppe (Identitätsbildung).
(...)
Werner Salz, Direktor Pfalzinstitut für Hörsprachbehinderte Holzhofstr. 21 67227 Frankenthal
(Überarbeitetes Manuskript eines Vortrages beim Interdisziplinären Workshop „Cochlea
Implant bei Kindern 1. bis 2. Mai 2004, Hörzentrum Hannover“) [1] Hüther,A.; Hüther, F.: Hörerziehungsprogramme in der EDV – Beispiele zur Softwareentwicklung. Ztschr. Hörgeschädigtenpädagogik 54 (2000) S. 102-107
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