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Als
ich 1985 das Licht dieser Welt erblickte, war ich hochgradig schwerhörig und
erhielt erst mit drei Jahren Hörgeräte. Ich wuchs dennoch unbeschwert und
glücklich auf und konnte viele Defizite kompensieren. Als Kleinkind fiel meine
Kommunikationsbehinderung nicht besonders ins Gewicht – in diesem Alter läuft
das Geschehen unter Gleichaltrigen zum großen Teil nonverbal ab und man lebt
offenbar noch in seiner eigenen Welt. Ohne große Schwierigkeiten besuchte ich
einen Kindergarten in Bern und später die Grundschule zusammen mit normal
hörenden Kindern. Erst als in der Pubertät die verbale Kommunikation immer
wichtiger wurde und ich Pech mit den Lehrkräften (Unverständnis, Unterschätzung)
hatte, ging es nicht mehr weiter. Mit zwölf Jahren wechselte ich an ein Internat
für Hörgeschädigte. Anfangs war es eine harte Zeit für mich und meine Familie,
aber schließlich wurden es fünf schöne und lehrreiche Jahre. Ich wuchs unter
Hörgeschädigten auf, wo ich viele Freunde fand und schließlich auch auf das CI
stieß. Aber erst nach drei Jahren überwand ich mich im Jahr 2000 zu einer
CI-Operation auf dem linken Ohr, zwei Jahre später war meine Schulzeit zu Ende.
Ich machte den Sprung ins kalte Wasser und ging wieder unter Hörende an ein
öffentliches Gymnasium, um mit der Matura (entspricht dem Abitur) abzuschließen,
da es in der Schweiz (noch) keine Hörgeschädigtenschulen gibt, die bis zum
Gymnasialabschluss führen.
Drei
Etappen CI
„Mit unverdrossener Neugierde und
Freude möchte ich dieser Welt begegnen...“
Januar 2001
Als ich zum ersten Mal vom CI und
dessen Funktionsweise hörte, war mir etwas mulmig. Menschen mit einem
„Elektrodings“ im Kopf? Nein, so was käme für mich nie in Frage! Außerdem kamen
mir später noch Geschichten von Gesichtslähmungen, Fehloperationen, Riesennarben
und Reimplantationen alle paar Jahre zu Ohren. Zu diesem Zeitpunkt wäre mir
nicht mal im Traum eingefallen, dass ich je so ein „Cyborg“ sein würde.
Schließlich entschied ich mich aber doch im Frühling meines 14. Lebensjahres für
ein CI. Nur die Sorge, mein Restgehör am operierten Ohr für immer zu verlieren,
machte mir noch zu schaffen. Was, wenn es einst Super-Hörgeräte gäbe?
Alle anderen Sorgen wurden
von zahllosen positiven Aussagen der CI-Träger hinweggespült. Einige verstünden
sogar mühelos TV, Radio und Telefon. „Das wäre wirklich toll!“ dachte ich mir
und entschied mich. Auch eine Spur Neugier beeinflusste mich.
Zu guter Letzt musste ich
zur Operation ins Inselspital Bern. Der dortige Aufenthalt, die Unbeweglichkeit,
die Infusionen und der Kopfverband waren zum Glück erträglicher als erwartet.
Nach fünfwöchigen „Heilungs- Ferien“ mit täglicher Wundkontrolle und
Desinfektion zu Hause und in Frankreich konnte ich die erstmalige Einschaltung
meines CIs kaum noch erwarten.
Ich fuhr mit meiner Mutter
in die HNO-Abteilung des Inselspitals zur Ersteinstellung. Erfüllt von
Erwartungen, gespannt und unruhig betrat ich den Raum, gab dem CI-Techniker,
Herrn Kompis, kurz die Hand und setzte mich. Anschließend setzte er mir einen
Sprachprozessor auf das Ohr und setzte den Magneten auf das Implantat. Vorerst
geschah nichts. Aber als M. Kompis, die Finger auf der Tastatur seines Laptops,
mich erwartungsvoll betrachtete, empfand ich seltsame Eindrücke eines an- und
abschwellenden Gefühls in meinem linken Ohr. „Bemerkst du etwas?“ fragte M.
Kompis. „Ja, aber es ist kein Hören, vielmehr ein Gefühl!“ antwortete ich ihm.
„Kann sein, jeder empfindet es eben etwas anders“ erwiderte er daraufhin.
(...)
Ruben Rod
J.V.-Widmannstr. 21a
CH-3074 Muri/Bern
E-Mail: rubenrod@bluemail.ch
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