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Bei Patienten, deren Hörleistung immer weiter nachlässt, stellt sich die Frage, zu welchem Zeitpunkt idealerweise eine Cochlea Implantation erfolgen sollte. Für die richtige Entscheidung ist eine Vielzahl von Informationen notwendig. Sicherlich kann die Indikation nicht allein aufgrund einer Untersuchung, z.B. anhand des Einsilberverstehens in Ruhe, entschieden werden. Von großer Bedeutung sind auch das Sprachverstehen in ungünstigeren Hörsituationen, die individuelle Krankheitsgeschichte, die auch eine Prognose der Entwicklung der Hörstörung zulässt, die nonverbalen Kommunikationsmöglichkeiten des Patienten, aber auch seine individuellen Hörbedürfnisse. Durch die ermutigenden Erfahrungen mit Patienten, die durch die Operation sehr befriedigend hör-rehabilitiert werden konnten, hat sich in den letzten Jahren auch die Indikation geändert.
CI-Versorgung bei progredienter Schwerhörigkeit Nach der Begrüßung und Einführung schilderte Ute Jung, bilateral CI-versorgte Patientin und Vizepräsidentin der DCIG, ihre eigene Hörgeschichte und ihre jetzige Hörfähigkeit. Gerade in der anschließenden Diskussion wurde den anwesenden Hörgeräteakustikern deutlich, wie gut die auditive Rehabilitation mit CIs gelingen kann. Nach einer Einführung zur Bauweise und zum Funktionsprinzip des CIs schilderte ich den Wandel der Indikation zur Cochlea Implantation seit den 80er Jahren. Das Studium der entsprechenden Literatur zeigt, dass führende Vertreter der Cochlea Implantation immer weiter von der Forderung abwichen, dass der Patient mit den Hörgeräten keinerlei Sprache mehr verstehen dürfe, weil das Sprachverstehen mit dem Hörgerät natürlich immer verglichen werden muss mit dem voraussichtlich erreichbaren Hörgewinn über das CI. Die Erfahrung zeigt, dass Patienten, die vor der Operation noch ein Restgehör besaßen, langfristig oft mehr von der Operation profitieren können, weil mehr Neurone überlebt haben, die auditorische Deprivation (‘Verkümmerung’ der Verarbeitung) weniger ausgeprägt ist und auch die sozialen Folgen der Hörverschlechterung noch nicht so ausgeprägt sind. Andererseits entwickelt sich gerade bei Patienten mit einem Restgehör das Sprachverständnis über das CI oft erst innerhalb eines ganzen Jahres, sodass bei nicht ausreichender Beratung die Patienten zunächst sehr enttäuscht sind. Wird ein Patient bei noch zu gutem Hörvermögen operiert, ist kein ausreichender Gewinn durch die Operation zu erwarten und zu befürchten, dass der Patient das System überhaupt nicht benutzt. In den darauf folgenden Präsentationen schilderten Privatdozent Dr. Gosepath das übliche Vorgehen bei der Operation und Frau Dr. Katja Schultz-Coulon sowie die Logopädin Kerstin Algner die Prinzipien der Rehabilitation im Erwachsenenalter. Viel Interesse fand auch der Vortrag von Dr. Anette Limberger, Ärztin und Hörgeräteakustikerin, zur bimodalen Anpassung. Gerade bei erwachsenen Patienten mit progredienten Hörstörungen liegt oft auf der nichtoperierten Seite ein Hörrest vor, der mit einer entsprechenden Hörgeräteversorgung genutzt werden kann. Allerdings setzt dies eine sorgfältige Einstellung beider Systeme und eine entsprechende Abstimmung des CIs und des Hörgerätes aufeinander voraus. Abschließend sprachen Jörg Osskopp und Lucas Lehning über Möglichkeiten und Perspektiven für den Hörgeräteakustiker und die elektroakustische Stimulation. Bis zum Schluss hatten wir interessierte Zuhörer und freuten uns über eine rege Diskussion. Prof. Dr. Annerose Keilmann Klinik für HNO und Kommunikationsstörungen Langenbeckstr. 1 55101 Mainz
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