Dank NHS frühe Entscheidung für CI um fast hörend zu sein

Glücklich erlebten wir Eltern gemeinsam die Geburt unseres Sohnes Lars. Doch am dritten Tag nach der Geburt wurde uns vom Kinderarzt des Geburtskrankenhauses mitgeteilt, dass Lars wahrscheinlich hörbehindert sei, festgestellt durch das Neugeborenen-Hörscreening (NHS)!

Bei Lars wurde das NHS routinemäßig, ohne unser Wissen durchgeführt. Vor der Geburt hatte ich allerdings von meinem Ohrenarzt erfahren, dass dieses Geburtskrankenhaus zu dieser Zeit als einziges Krankenhaus in Hamburg das NHS durchführt. Wir wären auch dafür gewesen, dass diese Untersuchung NHS bei Lars durchgeführt wird, doch hätten wir gern zuvor eine Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen gehabt. Die Kommunikation mit den Ärzten nach der Geburt von Lars war nicht ergiebig. Mein Gefühl ist, dass Ärzte denken, dass wir Gehörlose davon nichts verstehen würden. Erst beim Besuch im Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf drei Wochen nach der Geburt von Lars haben wir mehr Informationen über das NHS erhalten.

Die Nachricht der Hörschädigung kam für mich überraschend, ich wollte sie zuerst nicht wahrhaben. Obwohl wir Eltern selbst hörbehindert sind, gingen wir davon aus, dass unsere Hörbehinderung nicht vererbbar sei. In den Familien von mir und meinem Mann war bislang keine Hörbehinderung bekannt, außerdem hatten wir eine humangenetische Untersuchung machen lassen. Sie hatte keinen Anhaltspunkt ergeben.

Vom Geburtskrankenhaus wurde uns nach dem NHS-Ergebnis dringend empfohlen, umgehend weitere Untersuchungen durchführen zu lassen. Es dürfe nicht zuviel Zeit ungenutzt verstreichen, da für die Entwicklung der Hörfähigkeit und der Sprachanbahnung das erste Lebensjahr sehr wichtig wäre. Die BERA im Krankenhaus Eppendorf lieferte das Ergebnis: an Taubheit grenzend hörbehindert.

Mit drei Monaten erhielt Lars seine Hörgeräte, die jedoch nur unwesentlich seine Hörsituation verbesserten. Wir folgten daher der Empfehlung des Universitätskrankenhauses Hamburg-Eppendorf (UKE), Lars mit einem CI zu versorgen. Die Implantation erfolgte im elften Lebensmonat. Nach der Anpassung des Sprachprozessors machte Lars eine für uns alle überraschende Sprachentwicklung durch. Er spricht heute, zwei Jahre nach der Operation, alles nach, und zwar deutlich, wie uns von Hörenden gesagt wird.

Unser zweiter Sohn Malte wurde zweieinhalb Jahre nach Lars geboren und es war die gleiche Situation wie bei Lars. Auf dieses Hörergebnis war ich besser vorbereitet. Dank des NHS können wir die Hör-Zukunft unserer Kinder frühzeitig planen, z.B. die Hörgeräteversorgung oder die Versorgung mit einem CI.

Bei Malte bekam ich viel Besuch von den zuständigen Ärzten mit ausführlichen Informationen bzw. Aufklärungen. Lag es daran, dass ich diesmal privat versichert war? Bereits vor der Geburt lud mich der Chefarzt zu einem Gespräch ein, das ohne Probleme verlief. Vielleicht hat er dabei gemerkt, dass es auch Hörbehinderte gibt, mit denen man sich gut unterhalten kann.

Karen Haverland
Am Eichenhain 5
22885 Barsbüttel

 

 

 

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