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Gründung der CI-SHG Hamm Der Gedanke, eine SHG für CI-Träger in unserer Region zu gründen, schlummerte schon seit geraumer Zeit in uns. Die Teilnahme an dem Reflexionstreffen zum 1. Deutschen CI-Tag 2005 im September 2005 ließ uns dies in Angriff nehmen. Über das Integrationsamt der Stadt Hamm wurden wir an die Leiterin der Selbsthilfe-Kontaktstelle im Paritätischen, Monika Dirks, verwiesen. Hilfreich und informativ erwies sich ein persönlicher Erstkontakt mit der Geschäftsstellenleiterin und brachte den Stein ins Rollen. Broschüren wurden uns an die Hand gegeben, Fragen beantwortet, Ideen verwirklicht, drei Termine für die ersten Gründungstreffen abgesprochen – idealerweise hatten wir die Möglichkeit, diese Treffen in dem Besprechungszimmer durchzuführen. In Koordination mit M. Dirks klappten Planung und Umsetzung hervorragend. Presseinformationen wurden abgestimmt, Flyer erstellt und anhand von Verteilerlisten in den Versand gebracht. Zudem erhielten wir Teilnahmezusagen von Vertretern der DCIG, HCIG sowie eines ortsansässigen Akustikers. Die Presse berichtete über unser Vorhaben mit dem Titel ‘taub, aber trotzdem hören’ und das Telefon stand nicht still. Selbst der Lokalsender Radio Lippewelle Hamm ging mit einem Hinweis auf unsere Gruppe auf Sendung. Je näher der Termin des ersten Treffens kam, umso intensiver wurde dieses Kribbeln im Bauch – wie wird das Thema angenommen, wie viele Leute werden kommen, besteht überhaupt Interesse? Die Blase mit Fragen in unseren Köpfen beschäftigte uns oft bis in die Nacht hinein, verschwand aber recht schnell und legte Kräfte frei für unsere positive Motivation, etwas zu bewegen. Dank unserer intakten Dorfgemeinschaft und der allgemeinen sozialen Ader konnten wir drei Bäcker dazu bewegen, uns Kuchen für das Gründungstreffen zu sponsern, ein Floristikladen sorgte für den Blumenschmuck. Es war erstaunlich, wie groß das Interesse war und die Glückwünsche für gutes Gelingen wurden uns mit auf den Weg gegeben. 12. November 2005, 7.30 Uhr, der lang ersehnte Tag begann. Nach einem gemeinsamen Frühstück packten wir unsere Information, Broschüren, die Schnecke, ci-impluse, gesponserte Blöcke und Stifte zusammen, holten Kuchen und Blumen ab und machten uns gegen 11.20 Uhr auf den Weg zum Bahnhof. Maryanne Becker, 1. Vorsitzende der HCIG, hatte ihr Kommen zugesagt und wir holten sie vom Bahnhof ab. Wir finden es eine großartige Sache, dass Maryanne selbst den Weg von Berlin nach Hamm an einem Samstag nicht scheute, um uns hilfreich zur Seite zu stehen. Da wir noch nicht im Besitz einer Ringschleife sind, hat sie sich spontan dazu bereit erklärt, als Schriftdolmetscherin zu fungieren. Mit Beamer und Laptop im Rucksack konnten wir sie gegen 11.50 Uhr am Bahnsteig begrüßen. Auf der Fahrt fand rege Kommunikation statt, die uns einander näher brachte und ein freundschaftliches Verhältnis beginnen ließ. M. Dirks erwartete uns schon in den Räumen des ehemaligen Zollamtes, in die die Selbsthilfekontaktstelle erst kürzlich umgezogen ist. Material wurde ausgeladen, Tische gerückt, Stühle gestellt, Infotische aufgebaut, Technik montiert, Bewirtungstische gedeckt – und wieder dieses Kribbeln im Bauch. Lohnt sich unser Einsatz, werden Interessierte kommen? 14.00 bis 16.30 Uhr war als Zeitrahmen geplant. Bereits zwanzig Minuten vor Beginn trafen die Ersten ein. Insgesamt 29 Teilnehmer konnten wir verzeichnen, selbst betroffene CI-Träger, hochgradig schwerhörige Interessierte, Ehepartner – das Spektrum war weit gestreut. Nachdem wir als Initiatoren über unsere Beweggründe gesprochen und Begrüßungsworte an die Anwesenden gerichtet hatten, stellte M. Dirks Ihre Funktion als Leiterin und Schwerpunkt ihrer Arbeit vor. Sie sei gerne bereit, unserer Gruppe Starthilfe zu geben und hoffe, dass sich unsere Gruppe auf Dauer trifft, wünschte eine harmonische Zusammenarbeit und gutes Gelingen. Damit übergab sie das Mikro Heinz Lemmen, Schriftführer des CIV-NRW e. V. H. Lemmen berichtete als Vertreter der DCIG über die Arbeit der DCIG, HCIG und CIV-NRW. Quintessenz seiner Ausführungen war die Feststellung, dass er es als begrüßenswert ansieht, dass es immer wieder Menschen gibt, die helfen, als behinderter Mensch zurecht zu kommen. Zum Abschluss des offiziellen Teils – aber nicht minder wichtig – ergriff M. Becker das Wort. Neben dem schwierigen Part der Schriftdolmetscherin – an dieser Stelle nochmals ein ganz besonderes DANKESCHÖN an Maryanne – präsentierte sie eine PowerPoint-Präsentation über die HCIG. Danach gab sie das Mikro an uns zurück und wir baten die Teilnehmer um eine Vorstellrunde. Während dieser Runde lernten wir die Anwesenden näher kennen und erahnten durch das Gesprochene ansatzweise die unterschiedlichen Schicksale. Die wohlverdiente Kaffeepause und der rege Austausch untereinander erfolgte mit einer großen Geräuschkulisse, wobei unser Leitthema ‘Taub und trotzdem hören’ voll griff. Notizen wurden gemacht, Informationsmaterial mitgenommen, persönliche Probleme angeschnitten und ansatzweise besprochen, Hilfestellung im Einzelfall angeboten und konkretisiert. Der letzte Teil des ersten Treffens bestand hauptsächlich aus Fragen und Antworten. Hierbei war sehr gut zu vernehmen, wie wichtig es ist, Selbsthilfegruppen – in unserem Fall CI – flächendeckend bundesweit zu führen. Gegen 16.30 Uhr wurde offiziell das erste Treffen beendet. Ein allgemeiner Aufbruch war zu spüren, aber es dauerte noch eine geraume Zeit, bis die letzten Teilnehmer die Geschäftsstelle verließen. Zurück blieb ein wohliges Gefühl der Zufriedenheit und ein kleines Chaos, das noch bewältigt werden sollte. Gemeinsam mit M. Dirks haben wir wieder alles an seinen ursprünglichen Platz gebracht, die letzten Krümel beseitigt und die gespülten Gedecke wieder in die Schränke gestellt. Das Wir-Gefühl war perfekt, als M. Dirks uns in die Arme nahm mit den Worten ‘geschafft’! Schön, dass es bei öffentlichen Institutionen noch solch herzliche Menschen gibt, die gerne auch Kompromisse eingehen. M. Becker wurde zum Hauptbahnhof gebracht, das Material sorgfältig verladen – sehr wichtig für künftige Treffen – und wir sind erschöpft aber glücklich in unseren eigenen vier Wänden gegen 19.30 Uhr angekommen, um zwischen uns beiden ausgiebig den Tag Revue passieren zu lassen. Am 19. November 2005 sind wir der Einladung von Ewald Ester, Initiator der SHG Münster, gefolgt. Sinn und Zweck dieses Besuchs war, vor Ort sich mit Ewald – auch ihn haben wir bei dem Reflexionstreffen in Bad Hersfeld kennen und schätzen gelernt – auszutauschen. Sein Konzept, die Gruppe zu leiten, ist mit unserem identisch und bestätigt uns in der Vorgehensweise unserer Arbeit. Durch unsere Teilnahme am 1. Dortmunder Tag des Hörens am 27. November 2005 haben wir wertvolle Erkenntnisse mitnehmen können, die wiederum der Gruppe zugute kommen und das Engagement in keinster Weise in Frage gestellt. Präsent sein ist aus unserer Sicht sehr wichtig und sollte vielfältig genutzt werden. Zusammen sind wir stark, Gemeinsamkeit verbindet. Mittlerweile haben wir bei unserem zweiten Treffen am 3. Dezember 2005 erneut zu Interessierten Kontakt aufnehmen können und die tolle Erkenntnis erfahren dürfen, dass sich Gruppenteilnehmer hervorragend in die ehrenamtliche Tätigkeit einbringen. Ein ganz liebes Dankeschön an dieser Stelle an Anja Kehring, Mediendesignerin, die uns Logo, Visitenkarten und Briefbogen auf ehrenamtlicher Basis entworfen und verwirkt hat. Am 6. Dezember 2005 wurde Anja an der MHH linksseitig erfolgreich mit einem CI versorgt, für uns eine Selbstverständlichkeit, sie dort zu besuchen. Wir standen per SMS in Kontakt und sie hat sich gefreut, bei ihrem Aufenthalt in der MHH bekannte Gesichter zu sehen. Überraschenderweise haben wir dort erfahren, dass sich Maryanne Becker zeitgleich dort stationär aufhält. Ihre Voruntersuchung zum zweiten CI war positiv abgeschlossen und sie hat am 13. Dezember 2005 erfolgreich ihr zweites CI bekommen. Die Wundheilung verlief gut und sie konnte bereits nach einer Woche wieder nach Hause fahren. Von hier noch einmal gute Besserung und toi, toi, toi. Das zweite Gruppentreffen ohne den Service ‘Schriftdolmetscher’ gestaltete sich für einige Teilnehmer recht schwierig, die Kommunikation war nur begrenzt möglich. Unser Gruppenmitglied Miriam Padberg bot daraufhin für künftige Treffen ihre Mithilfe an, sie sei diesbezüglich kein Profi, aber des schnellen Schreibens mächtig. Sie will es versuchen. Sie übernimmt den Part der Schriftdolmetscherin und bringt ein Laptop mit. M. Diercks gab uns den hilfreichen Tipp, dass für das Leihen von Technik das Medienzentrum Hamm Ansprechpartner sei. Ein Anruf genügte und es waren wieder neue Kontakte geknüpft. Als ich mich auf der entsprechenden Homepage eingeloggt hatte, stellte ich fest, dass das Medienzentrum seinerzeit Stadtbildstelle Hamm hieß, bei der ich 1978 für ein halbes Jahr aushilfsweise gearbeitet habe – zwei ehemalige Kollegen habe ich anhand von Fotos wieder erkannt. So klein ist die Welt. Durch die rege Kommunikation haben wir auch Nutzen davontragen können. Uns war noch nichts über die neue Sprachverarbeitungsstrategie – das HiRes® Bionic Ear System® - bekannt. Ein Termin beim HZH war kurzfristig vereinbart und das Programm schnell aufgespielt. Anfangs war es für Rainer eine starke Umstellung und er muss dieses Hören erst wieder neu lernen. Klar, dass Verlustängste hierbei eine nicht unwesentliche Rolle spielen, umso glücklicher war ich, dass er sich durchgerungen hat und das Üben gute Erfolge aufzeigt. Ich quake mal wieder wie ‘Micky Maus’, aber Musik und Fernsehen sind schon viel klangvoller – wie Stereo. Nachrichten unterwegs im Auto sind mit großer Konzentration – schließlich muss man auch noch auf den Verkehr achten – schon sehr gut verständlich. Schlussfolgerung: Die Gruppe lebt, das war gut zu spüren. Schon bei diesem ersten Treffen war uns klar, es wird klappen, unsere CI-SHG Hamm wird Bestand haben und unsere anfänglichen Bedenken sind nun gegenstandslos beiseite geschoben. Schön wäre es, wenn sich durch unsere Ausführungen noch ein paar Betroffene angesprochen fühlen und als Initiatoren neuer CI-SHG aktiv werden. Marlies und Rainer Wulf
Am Wäldchen 19
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