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Jubiläum: 20 Jahre Cochlea Implantation in Hannover Feste soll man eigentlich feiern wie sie fallen, doch bei so vielen Gästen, die eingeladen werden müssen, ist eine Terminkoordinierung manchmal schwierig. Daher wurde das 20-jährige Jubiläum vom 14. bis 16. Oktober 2005 in der Medizinischen Hochschule (MHH) gefeiert, obwohl bereits 1984 mit dem Cochlear-Implant-Programm und der CI-Versorgung von erwachsenen Patienten in Hannover begonnen wurde. Prof. Dr. Thomas Lenarz, Direktor der HNO-Klinik, hatte zum Symposium für Wissenschaftler und zum Workshop für Familienangehörige, Lehrer und Therapeuten eingeladen. Viele Experten aus der ganzen Welt fanden sich am Samstag ein, um über Entwicklungsfortschritte der Operationstechnik, Optimierung der Sprachprozessoranpassung und Sprachverarbeitungsstrategien durch objektive Messmethoden sowie Langzeitergebnissen in der Rehabilitation von CI-Trägern in dem Erfahrungszeitraum von zwei Dekaden zu berichten. Sie ehrten damit den Mediziner und Kollegen, der durch seine Imagination und Innovation die CI-Versorgung in Hannover und darüber hinaus vorangetrieben und etabliert hat: Prof. em. Dr. Dr. Dr. mult.hc. Ernst Lehnhardt. Die Liste der Gratulanten war lang und sie bestand aus vielen vertrauten Weggefährten, die sich in der MHH einfanden. In ihren Vorträgen bescheinigten die internationalen Gäste Prof. Lehnhardt große Pionierarbeit mit seinen Forschungen und dem ehemals sehr mutigen Entschluss, die CI-Versorgung zunächst bei Erwachsenen und später auch bei Kindern zu wagen. Prof. Lehnhardt rief in seinem Vortrag ‘In fact – we were right’ noch einmal den Beginn der CI-Versorgung bei Kindern in Erinnerung. Als 1988 das erste Kind im Alter von anderthalb Jahren mit einem CI versorgt wurde, waren bereits 140 Erwachsene an der MHH erfolgreich operiert worden. Aber in der Fachwelt hielt man es aufgrund von Kenntnissen aus der Tierforschung über die Deprivation des visuellen Kortex bei Katzen und Affen für unmöglich, dass gehörlos geborene Kinder mit dem CI hören lernen. Dank des beharrlichen Drängens von Seiten der betroffenen Mutter und seiner festen Überzeugung, dass es trotz der vielfachen Vorbehalte gelingt, entschied sich Prof. Lehnhardt, den Versuch zu wagen. Die Fortschritte der kleinen Patientin, die heute neunzehn Jahre alt ist, mehrere Sprachen spricht und Klavier spielt, gaben ihm Recht und Bestätigung. Das CI ermöglicht auch gehörlos geborenen Kindern gute Entwicklungschancen im Hören. Der Sonntag war den CI-Trägern und den in der Praxis tätigen Pädagogen, Lehrern und Ingenieuren vorbehalten. Sie alle berichteten über ihre langjährigen Erfahrungen in der Arbeit, im Alltag und im Schulleben. In den Grußworten von Maryanne Becker, Vorsitzende der Hannoverschen Cochlear Implant Gesellschaft (HCIG), und von Franz Hermann, Präsident der Deutschen Cochlear Implant Gesellschaft (DCIG), wurde deutlich, dass die CI-Versorgung weit mehr umfasst als die Operation, Rehabilitation und Nachbetreuung in der Klinik. Es wurden von der MHH ausgehend Strukturen aufgebaut, die das CI weit über die Grenzen der Klinik hinaus Betroffenen und Ärzten bekannt machen. Mit der Gründung der CI-Vereine DCIG (1987) und HCIG (1996), ihren Zeitschriften Schnecke und ciimpulse, den Regionalgruppen und Beratungsstellen wurde aus dem Wunsch der CI-Träger Wirklichkeit, auch anderen zu helfen. Die Grundlage für ein umfassendes Informations- und Beratungssystem wurde somit geschaffen. Auch die ‘Patienten der ersten Stunde’ kamen zu Wort. Einer von ihnen ist Hans Peter Berghaus. Er berichtete über die Anfänge und demonstrierte anschaulich, wie sich die OP-Technik im Laufe der Jahrzehnte grundlegend verändert hat. Sein Implantat hebt sich unter der Kopfhaut deutlich fühlbar hervor und wurde nunmehr ‘Ernst-Lehnhardt-Beule’ genannt. Wie die berufliche Realität nach einer CI-Versorgung aussehen kann, zeigte eine junge Dame anhand ihrer Erfahrungen auf. Vor neun Jahren wurde sie mit einem CI versorgt. Sie praktiziert heute erfolgreich als Rechtsanwältin und informierte die Zuhörer über ihre Strategien zur Bewältigung eines anspruchsvollen Berufs mit Telefonkonferenzen, Gruppengesprächen und gesellschaftlicher Präsentation. Über den Schulalltag mit CI berichtete der siebzehnjährige Julian Tschammer. Er erhielt ein CI mit acht Jahren. Auch er beschrieb eindringlich, dass nur mit seinem CI der Besuch des Regelgymnasiums möglich sei. Hilfestellung zur Bewältigung des Schulstoffes erhielt er von den Lehrern. Eine Videopräsentation, in der der Rektor über Probleme und Lösungen mit CI im Schulalltag sprach, rundeten seinen Vortrag ab. Die ‘Fachleute der ersten Stunde’ kamen ebenfalls zu Wort. Prof. Dr. Rolf-Dieter Battmer, Leiter der Audiologie der MHH, zeigte im Überblick die technische Entwicklung von der Einkanal- zur Mehrkanalelektrode und vom SP, der am Körper getragen wurde, bis hin zum Hinter-dem-Ohr-Gerät auf. Dr. Bodo Bertram, Leiter des hannoverschen Kinderzentrums CIC, stellte die hervorragende Sprachentwicklung einiger seiner CI-Kinder anhand von Videos vor und demonstrierte eindruckvoll die Fortschritte im Hören mit CI. Die Konzepte anderer Einrichtungen zur Rehabilitation von CI-Kindern wurden von erfahrenen Pädagogen wie Susanne Schmid-Giovannini, Werner Salz, Prof. Gottfried Diller u.a. in Rückblick und Vorausschau vorgestellt. Insgesamt war es für die langjährigen CI-Kenner ein angenehmer Rückblick auf das Erreichte, der gleichzeitig auch die neuen Aufgaben und Zielsetzungen in den Blick nahm. Den ‘neueren’ CI-Trägern und Interessenten bot sich eine informative Veranstaltung, bei der neben dem Gesamtüberblick auch an den Präsentationsständen der CI-Firmen und CI-Gesellschaften konkret nachgefragt und das Angebot von Informationsmaterial genutzt werden konnte. Fazit: Dipl.-Päd. Angelika Strauß-Schier Hörzentrum der MHH Karl-Wiechert-Allee 3 30625 Hannover E-Mail: strauss-schier@hoerzentrum-hannover.de
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