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Jugendsession 2005 in Bern: Hörgeschädigter politisierte Bei meiner Arbeit klingelte das Telefon und man fragte mich, ob ich kurzfristig als Hörgeschädigter an der Jugendsession 2005 teilnehmen würde. Ich sagte „ja“ und saß einen Tag später mit über hundert anderen Jugendlichen im Schweizer Bundeshaus. Es wurde viel referiert, diskutiert und gruppenweise wurden Petitionen entworfen. Überraschenderweise konnte ich bei alledem gut mithalten und auch selber etwas beitragen, wenn auch mit einigen Einschränkungen. Ich musste einfach den Mut aufbringen, mich alleine ganz nach vorn direkt vor das Podium zu setzen oder den Referenten meine FM-Anlage aufs Pult zu legen. Verschiedene Kommunikationstaktiken wurden ausprobiert, bis ich schließlich ein optimales Gemisch aus Ablesen, FM-Anlage, Nachfragen und Kopplung ans bundesinterne Mikrofonsystem (mit Übersetzungen auch von Fremdsprachen!) fand. Ich habe es genossen, in die Debatte einzutauchen, und verlor mit der Zeit auch meine Scheu. Manchmal ging es so weit, dass ich sogar als Wortführer das Gespräch in eine bestimmte Richtung lenken konnte – für einen Schwerhörigen kein alltägliches Erlebnis! Als zusammen mit den Organisatoren und anderen Gehandikapten (Rollstuhlfahrer, Blinde…) Richtlinien für zukünftige Jugendsessionen erarbeitet wurden, hatte ich an der Infrastruktur und Jugendsession im Allgemeinen nicht viel zu bemängeln – denn die meiste Arbeit machte die Toleranz und das Interesse der Teilnehmer selbst meinen Schwierigkeiten gegenüber. Ich schlug lediglich vor, gegebenenfalls für Schriftdolmetscher (schreibt Gesprochenes mit und lässt den Text gleich vorn über die Leinwand laufen) und Kommunikationsassistenten (unterstützt den Betroffenen direkt mündlich) zu sorgen. Die für mich bedeutendste Erfahrung war, die ‘Angst vor der Politik’ zu verlieren. Bisher war ich im Glauben, das Politisieren wäre nur den Mundfertigen (das heißt auch ‘Ohrfertigen’…) und Hochintellektuellen vorbehalten. Bei dieser Jugendsession erfuhr ich jedoch, wie einfach es sein kann, eine eigene Meinung zu haben und diese zusammen mit Bedürfnissen vielen anderen Teilnehmern gegenüber erfolgreich zu vertreten. Selbst hochrangigen Politikern, die uns die Ehre gaben, hörte ich plötzlich auch mal ganz kritisch zu. Ich kann anderen Hörgeschädigten solch eine Teilnahme nur empfehlen – es ist ein intensives und positives Erlebnis, auch wenn die Jugendsession keinen direkten Einfluss auf den Schweizer Alltag nehmen kann. Es ist schon viel getan, wenn man sich Hunderten präsentiert und zeigt, dass man auch da ist! Ich bin sicher, dass sich unter den vielen jungen Köpfen an der Jugendsession auch einige spätere ausschlaggebende Politiker befanden, die sich noch formen lassen. In diesem Sinne: Junge Hörgeschädigte, geht hin und prägt die Jugendsession und mit ihr auch die anderen Teilnehmer! Ruben Rod J.-V.-Widmann-Str. 21a CH-3074 Muri/Bern Mit freundlicher Nachdruckgenehmigung der Redaktion SONOS!
... und weitere interessante Artikel lesen Sie bitte in der aktuellen Ausgabe, zu bestellen bei der Redaktion!
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