Sequenzielle bilaterale CI-Versorgung bei Kindern an der MHH

In den letzten zwei Jahrzehnten hat das CI als eine hochwertige Hörhilfe für Gehörlose, Ertaubte und hochgradig Schwerhörige immer mehr an Bedeutung gewonnen. Dabei konnte ein sehr gutes Sprachverstehen in Ruhe erreicht werden – allerdings in der üblichen Lebenssituation ‘in Unruhe’ nicht. Seit Ende der 90er Jahre wurden an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) erwachsene Patienten beidseitig (bilateral) mit einem CI versorgt. Die Erfahrungsberichte und standardisierten Testungen bei bilateral CI-versorgten Erwachsenen haben aufgezeigt, dass eine beidseitige CI-Versorgung deutliche Vorteile im Sprachverstehen im Geräusch und im Richtungshören gegenüber der einseitigen (= unilateralen) CI-Versorgung mit sich bringt. Im Alltag kommt es immer wieder zu komplexen Kommunikationssituationen, wie z.B. Besprechungen im Arbeitsalltag oder das Verstehen in einer geräuschvollen Umgebung, z.B. beim Einkauf, in der Stadtverwaltung usw.

Auch im Alltag eines Teenagers gibt es immer offensichtlichere Schwierigkeiten – mehr als im Kindergarten oder in der Grundschule. Die Kinder müssen bei Nebengeräuschen in der Klasse dem Unterricht folgen, müssen heraushören und erkennen, welcher Mitschüler gerade einen Beitrag zum Unterricht geleistet hat, wollen in der Pause mit ihren Freunden schwatzen. Besonders die Höranstrengung über einen gesamten Schultag ist bei einer unilateralen CI-Versorgung problematisch. Viele CI-Kinder, die frühzeitig (in den ersten beiden Lebensjahren) CI-versorgt wurden, könnten an einer weiterführenden Regeleinrichtung ihre Laufbahn fortsetzen. Aber die beschriebenen Schwierigkeiten bringen viele sozialmedizinische Probleme mit sich.

Ein symmetrisches Hören mit CI ist nachgewiesenermaßen eine Verbesserung für Kinder in geräuschvoller Umgebung und zur Orientierung im Raum – obwohl weiterhin eine FM-Anlage zwingend einzusetzen ist.

Viele Eltern wünschen vor dem Schuleintritt ihrer Kinder eine beidseitige CI-Versorgung für ihr Kind. Hier können oftmals hinsichtlich der frühen Hörbahnreifung (die sensibelste Phase der Hörbahnreifung liegt in den ersten Lebensjahren!) keine gleichwertigen Hörerfolge erzielt werden wie auf der erst-implantierten Seite. Das bedeutet für uns, dass in einem pädagogischen Vorgespräch und in standardisierten Testungen individuell abgeklärt werden muss, ob ein zweites CI von Nutzen sein kann. Ganz besonders müssen die Erwartungshaltungen der Eltern abgesteckt, aber auch die Wünsche, Vorstellungen der Kinder berücksichtigt werden. Des Weiteren scheinen amerikanische Studien zu belegen, dass bei einer einseitigen CI-Versorgung von keiner beidseitigen Hirnbahnreifung auszugehen ist. Um auf diese Möglichkeit vorbereitet zu sein und die Situation bestmöglich nach erfolgter zweiter CI-Operation individuell zu therapieren, wird an der MHH eine Diagnostik zur bisherigen Hirnbahnreifung nach unilateraler CI-Versorgung und vor Implantation der Gegenseite mittels PET (= Positronen-Emissions-Tomographie) durchgeführt. Diese Untersuchung muss stationär stattfinden. Somit wird den Familien ein komplexes, aber zuverlässiges Verfahren zur Beratung, Untersuchung und Diagnostik angeboten, in die bereits das Verfahren der Kostensicherung mit eingebunden wird. Wichtig ist festzustellen, dass in Deutschland die Krankenkassen von einer einseitigen Regelversorgung ausgehen. Sofern die Krankenkasse nicht individuell dem zweiten CI zugestimmt hat, besteht die Möglichkeit, dass evtl. Komplikationen an diesem Gerät von der Krankenkasse versicherungstechnisch nicht mitgetragen werden.

Um jedem Patienten gerecht zu werden, erläutern wir jeder Familie individuell den Ablauf und beraten Sie gerne bezüglich eines individuellen ‘richtigen’ Ablaufs. Bei weiteren Fragen zu einer sequentiellen bilateralen CI-Versorgung bei Kindern stehe ich gerne zur Verfügung:
 

Stephanie Rühl

Diplom-Pädagogin und Hörgeräte-Akustikerin

Hörzentrum Hannover der

Medizinischen Hochschule Hannover

Karl-Wiechert-Allee 3

30625 Hannover

 

 

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