Von der Freudenfülle eines Gabentisches

Jetzt bin ich schon 46 Jahre alt, habe inzwischen Berge von Geschenken vom Christkind bekommen, mir aber noch kein einziges Mal die Mühe gemacht, diese Kostbarkeiten würdigend zu verbuchen. Es ist  allerhöchste Dringlichkeit geboten:

Schaue ich unter meinen goldrot glitzernden Weihnachtsbaum, liegt dort eine wunderschöne rotgoldene Sternendecke, ein Wunsch von mir… das Christkind lief so lange zu  Aldi, bis es dieses schöne Etwas für mich erstanden hatte; eine wahre Freude für mein Herz!

Auf und neben dieser Decke liegen viele schöne Dinge, darunter ganz liebe und  zauberhafte Weihnachtskarten und -briefe mit Grüßen von Freunden. Die moderne Weihnachtspost, die mich per Mail überflutet hat, zählt auch dazu: in allen möglichen Schriftfarben, auf orange-blau gestreiftem Muster, Engelchen in glitzernden und sich bewegenden Schlitten! Eine Lebensgeschichte ist so hübsch verpackt, dass alle Fasern in mir, die fürs Lachen zuständig sind, gar nicht anders können, als sich in Bewegung zu setzen. Einer überlegt, wo er ab sofort sein Pferd unterstellen soll, das er nicht hat; eine persönliche Zeitumstellung von 24 auf 28 Stunden pro Tag ist dabei. Was es nicht alles gibt...! In diesem Postmeer befinden sich zwei schöne Fotos, das allerschönste zeigt meine Freundin und mich. Gut, dass ihr das fotografische Kunstwerk nicht sehen könnt, sonst würdet ihr mich ab sofort nicht mehr anschauen! Die positive Ausstrahlung meiner Freundin tröstet mich, sodass ich meinen Blick lieber auf sie richte, denn sie ist eine tolle Frau!

Unter dem immer grünen Tannenbaum liegt natürlich duftend und in hübschen Gefäßen ‘Kosmetik’; ihr wisst, das ist etwas für die ‘Schönheit’. Mit einer Superreinigung und Anti-Aging-Produkten soll ich ewig jung bleiben. Leider wird dabei vergessen, dass mich meine zunehmenden Fältchen erst so richtig interessant machen. Ein Sportfreak schenkte mir einen Pulli aus Thermomaterial, weil  ich als Freifrau vom und zum Frieren nie genug Fummel besitze, um über den Winter zu kommen. Nur muss ich noch Ärmel und  Bund kürzen, bis ich in dem Stoffstück so strahle, als ob es gerade für mich maßgeschneidert worden wäre.

Sie dürfen nicht fehlen: Bücher in ganz unterschiedlichen Formen mit sehr wachstumsförderlichen Inhalten! Eines befasst sich mit der Suche nach dem Glück und worin es liegt. Suche ich mein Glück, geht das recht gut ohne Buch; ich denke es mir in die Dinge und Menschen hinein, die ich gerade in meiner Nähe habe – das klappt ganz gut. Vielleicht zeigt das Büchlein ja noch bessere Methoden!? In einem anderen geht’s um Bäume und den Baum in mir – das Leben scheint spannend zu bleiben… Eine liebe Seele schenkte mir gleich zwei Werke zum Thema CI. Mein Gott, hat mich das berührt! Da gehen meine Ohren zunehmend ohne mich aus, lassen mich allein zu Hause sitzen… und schon plumpse ich in das weiche Federbett von anderen, die bereits durchgemacht haben, was auf mich jetzt zukommt!

Tja, eigentlich spricht man nicht davon. Aber ich möchte eine Ausnahme machen: Etwas Geld ist dabei. So wird das klamm-feuchte Klima in meinem Portemonnaie endlich wieder, zumindest vorübergehend, etwas trockener…

Unterm Tannenbaum mache ich noch eine ungewöhnliche Entdeckung: Zwischen all den Gaben schaut mich die Sternendecke immer wieder mit freien Stellen an. Was ist denn da los? Sehe ich nur mit meinem optisch-materiellen Auge hin? Es scheint so! Aus emotionaler Sicht liegen dort zahlreiche wärmende Herzen und bergende Hände. Sie stehen für alle Freunde mit und ohne CI, die mich in den letzten Wochen fühlen ließen, dass sie mit mir gehen, auch wenn sich meine Taubheit gerade mächtig entfaltet. Diese dinglich unsichtbaren Geschenke stimmen mich dankbar, sind mir sehr kostbar und ermutigend! Gleichzeitig ist es schön, Zeichen der Zuneigung in Form hübscher Dinge konkret anfassen zu können. Deshalb verweilen wir noch ein wenig unterm Weihnachtsbaum!

Seltsam, eine Freundin scheint meine schwachen Stellen zu kennen. Sie bedachte mich mit einem wunderschönen Glöckchen, auf dessen Spitze ein kleines Vögelchen sitzt. Toll, das Vögelchen pfeift lustige Melodien und ist völlig pflegeleicht: Es braucht weder Futter noch Wasser. Das Glöckchen..., ob die liebe Schenkende wohl weiß, dass ich manchmal die Tendenz habe, zu spät zu kommen? Ich hab’s ihr jedenfalls noch nicht erzählt!

Ganz zum Schluss kommt natürlich das Beste, nein, der Beste: Josche, Josche Sterntaler. Er sitzt auf meinem Kopfkissen; ständig strahlt er wie ein Stern und die Sonne zugleich. Betrete ich den Raum, zieht er mich mit seiner Stupsnase und seinem lachenden Mund in seinen Bann. Seine ausgebreiteten Arme streckt er mir einladend entgegen. Ich eile hin, flirte mit ihm und schließe ihn in meine Arme. Er ist so lieb, einfach eine Wucht! An Gelenkigkeit übertrifft er mich um ein Vielfaches. Mit ihm zur Ruhe zu gehen, ist ein Genuss! Schlage ich die Augen auf, liegt er neben mir, streckt alle Viere von sich, als wolle er sagen: „Schau mal, was bin ich doch für ein großer, toller Kerl!“ Gleich betätige ich wieder meine Lachmuskeln, schaue auf sein witzig gestreiftes Hemdchen, die roten Plüschschuhe und die zweizipfelige rote Mütze; jawohl, zweizipfelig mit sonnengelben Enden ziert sie ihn. Josche ist eben ein ganz besonderes kleines Kerlchen mit außergewöhnlicher Kopfbedeckung und besonderem Innerem: Halte ich ihn bei unserer Schmuserei ganz nah an meine Ohren, die mit künstlichen volldigitalen Hörverstärkern ausgerüstet sind, höre ich, wie sich viele kleine Perlen bewegen. Das müssen Perlen der Freude sein, die er verbreitet!

Hoffentlich ist bei diesem Gabentisch-Event ein bisschen Freude in Dein Herz gesprungen, sodass es jetzt mit meinem gemeinsam vor Begeisterung hüpft! Bei soviel Freude kann der Rutsch ins und durchs Neue Jahr nur gut werden!

Gabriele Höfer

Hauptstr. 21

56220 St. Sebastian

 

 

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