Gedanken zum Literaturseminar

Wer sich fragt „Woher komme ich?“, kommt um die Familie nicht herum. Sie hat jeden geprägt, ob es einem gefällt oder nicht. In ihr wird der Mensch zum sozialen Wesen. Wenn sie zerfällt, ist mit der Gesellschaft kein Staat mehr zu machen. Doch was als Familie gilt, ändert sich: Familie sei da, wo Kinder sind, heißt es heute. Dass Kritik an ihr kein modernes Phänomen ist, zeigen Zitate wie „Die Griechen, die gut wussten, was ein Freund ist, haben die Verwandten mit dem Ausdruck bezeichnet, welcher der Superlativ des Wortes ‘Freund’ ist. Dies bleibt mir unerklärlich.“ (Friedrich Nietzsche) oder „Das Familienleben ist ein Eingriff ins Privatleben... Das Wort  Familienbande hat einen Beigeschmack von Wahrheit“ (Karl Kraus).  Familiäre Nähe wird oft als unerträglich empfunden, die Familie als Brutstätte von Befehlsempfängern, Diktatoren und anderen Neurotikern gesehen. „Man leidet unter der Familie. Und gründet später selbst eine und wird gerade so“ (Kurt Tucholsky). Viele junge Menschen hoffen weiterhin, liebevolle Geborgenheit in der Familie zu finden – allen Zweifeln, allen Veränderungen zum Trotz. Kein Wunder, dass Familie auch in der Literatur ein vielschichtiges Thema ist.

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Dr. Antje Telgenbüscher
Dr.-Rörig-Damm 85
33102 Paderborn

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