Realität und Schonraum – lohnen sich Anstrengungen für Realität?

 

Ein klares ‘Ja’ – Anstrengungen lohnen sich auf jeden Fall.

 

Mein Zwillingsbruder Dietmar und ich wurden 1966 im Siegerland geboren. Die Kindheit verlief unbeschwert, bis ich im fünften Lebensjahr sehr krank wurde. Der Hausarzt diagnostizierte eine schwere Tonsillitis (Mandelentzündung). Es ging mir täglich schlechter, das Fieber stieg. Ein Notarzt wies mich ins Kinderkrankenhaus Siegen ein. Nach zwei Tagen hieß die Diagnose: schwere Hirnhautentzündung. Ich wurde auf die Intensivstation verlegt. Nach einigen Tagen merkten meine Mutter und ich, dass ich am Telefon immer schlechter verstand. Ich war ja völlig isoliert – schrecklich für einen Fünfjährigen... Nach wenigen Tagen war mein Gehör auf beiden Seiten fast völlig erloschen. Wegen der Quarantäne wurden Untersuchungen und Hörtests erst viel später gemacht.

 

Ich war mehr als acht Wochen im Krankenhaus, bis es endlich wieder aufwärts ging. Danach verwies mich ein kompetenter HNO-Arzt zur Universitätsklinik Münster, um mir ein Taschenhörgerät verpassen zu lassen. Ich erinnere mich noch an die eindringlichen Worte des Professors: „Machen Sie schnell mit der Anpassung des Hörgerätes, sonst verliert der Junge die Sprache.“ HdO-Geräte sollte ich erst sehr viel später erhalten. Ein Jahr später stand die Einschulung an. Wir waren mittlerweile von Siegen nach Düren umgezogen. Mein Bruder und ich sollten in Derichsweiler, heute Stadtteil von Düren, in die Grundschule gehen. Schon am ersten Schultag zeigte sich die deutliche Skepsis des Schulleiters und der Lehrerin. Als wir sechs Jahre alt waren, trennte sich mein Vater von unserer Familie. Nach nur zwei Wochen meldete mich meine Mutter an der Schwerhörigenschule Aachen an. Dort begann meine Laufbahn im ‘Schonraum’.

 

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Dr. Detlef Stückgen
Am Brombeerschlag 21
81377 München  

 

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