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Hörschädigung, Sprache und Kommunikation
Als gehörloses Kind wurde ich in den 60er-Jahren
noch in eine ‘Taubstummenanstalt’ eingeschult. Heute besuchen hörgeschädigte
Kinder dank medizinischer und technischer Fortschritte sowie moderner
pädagogischer Konzepte entweder eine Regelschule oder eine Schule mit dem
Förderschwerpunkt Hören. Die Versorgung mit einem Cochlea-Implantat (CI) ist
fast schon zur Selbstverständlichkeit geworden. Deshalb ist in manchen
Eingangsklassen der Schulen mit dem Förderschwerpunkt Hören kein einziges
‘gehörloses’ Kind mehr anzutreffen.
Das Menschenbild
Gewandelt hat sich auch das Menschenbild. Jahrhunderte hindurch wurde
taubstummen Menschen die Fähigkeit zum Denken abgesprochen. Die ersten
Bildungsversuche ab dem 16. Jahrhundert hatten juristische und religiöse
Hintergründe. Heute werden behinderte Menschen nicht mehr als defizitäre Wesen
in die Gesellschaft integriert. Am 26. März 2009 ist
auch in Deutschland die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit
Behinderung in Kraft getreten. Angestrebt wird jetzt eine ‘Inklusion’. Das
bedeutet, dass jedem behinderten Menschen als selbstverständlichem Teil der
Gesellschaft verbürgte Rechte zustehen, über seine Lebensgestaltung selbst zu
entscheiden und entsprechende Hilfen einzufordern. In einer inklusiven
Gesellschaft herrscht idealerweise kein Normalisierungsdruck.
(...)
Dr. Inge Richter
Nervenärztin
Leiterin der Hörgeschädigtenabteilung
Klinikum am Europakanal Erlangen
Am Europakanal 71
91056 Erlangen
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